11.05.2017

Soziale Medien erfordern Medienkompetenz!


Das soziale Netzwerk Facebook wird wahrscheinlich noch in diesem Quartal die Schallmauer von 2 Milliarden Benutzern knacken. Auch bei den anderen großen Netzwerken wächst die Zahl der Nutzer stetig und viele von uns sind gleich in mehreren Netzwerken aktiv. Zugegeben, solche Communities können sehr hilfreich sein, um sich mit Bekannten, Freunden und Gleichgesinnten zu vernetzen und sich auch über große Distanzen auszutauschen oder sich einfach nur selbst in Szene zu setzen. Jugendliche wachsen heute wie selbstverständlich mit Smartphone, Facebook und WhatsApp auf und kennen die Welt gar nicht mehr anders. Und wer nicht mitmacht, ist heute total out.

Das folgende Zitat es deutschen Publizisten und Philosophen Dr. Josef Bordat, das ich vor einiger Zeit in meinem Vortrag mit dem Thema "Die geschäftliche Nutzung des Internets im Labor- und Büroalltag - Dos und Don'ts" benutzt habe, zeigt die möglichen "Risiken und Nebenwirkungen" sozialer Medien ziemlich schonungslos auf und kann eigentlich niemanden kalt lassen:

Hätte Mielke den Menschen befohlen: 'Schreibt eure Stasi-Akten selbst und erzählt vor allem, was besonders peinlich für euch werden kann!', hätte das wohl nicht funktioniert. Heute geht das problemlos. Im Internet. Man nennt es 'social community'.
Dr. Josef Bordat (*1972)

Vielen Nutzern ist vielleicht gar nicht so bewusst, dass der Betreiber des sozialen Netzwerks manchmal mehr über einen selbst weiß als Freunde, Eltern oder Bekannte. Man kann natürlich sehr genau steuern, wer was zu sehen bekommt, aber interessiert das auch dauerhaft den Betreiber, Geheimdienste, Hacker etc.? Werden Daten verkauft und werde ich so vielleicht erpressbar? Oder werden sie nur benutzt, um mir möglichst passende Werbung anzuzeigen (das ist übrigens die Motivation, warum uns der Betreiber einen Account schenkt!). Es bleiben immer Restzweifel, weswegen ich selbst solche Netzwerke nur wenig und fast ausschließlich beruflich nutze.

Das zweite große Problem wird auch oft als "Filterblase" bezeichnet: Ich vernetze mich tendenziell mit Personen, die ähnliche Ansichten wie ich selbst habe und meine Meinungsäußerungen - egal, wie weit entfernt sie vielleicht von der Realität sein mögen - teilen und oft auch weiter verbreiten.

Das führt dann gleich auch zum dritten großen Problem: Meinungen lassen sich in solchen Netzwerken durch massenhafte Wiederholungen beeinflussen oder schlimmstenfalls durch massenhafte automatisierte Posts von sogenannten "Social Bots" manipulieren. Das wird in neuerer Zeit immer wieder bei Wahlen vermutet, lässt sich aber natürlich nur schwer beweisen. Aber je mehr wir nur noch in solchen Netzwerken leben und keine anderen Informationsquellen mehr nutzen, ist das aus meiner Sicht durchaus eine reale Bedrohung.

Letztlich beschreibt das schöne Wort "Medienkompetenz" die Lösung: Schon in der Schule müssen Jugendliche für diese Probleme sensibilisiert werden und es gibt erfreulicherweise sehr viele Initiativen in diese Richtung. Und auch Erwachsene sollten viel mehr kritisch hinterfragen und nicht alles blind glauben, was sie in irgendwo lesen. Dann dürfen wir uns alle an den vielen Vorteilen sozialer Medien erfreuen!

» Mehr über Dr. Josef Bordat

» Vortrag "Die geschäftliche Nutzung des Internets im Labor- und Büroalltag - Dos und Don'ts"

Autor: Dr. Torsten Beyer


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