04.05.2017

Nach mir die Sintflut?


Edward Teller, 1908 in Ungarn geboren, studierte in Karlsruhe Physik und emigrierte wegen seiner jüdischen Abstammung 1933 in die USA. Er wird gemeinhin als "Vater der Wasserstoffbombe" bezeichnet, lehnte diesen Titel selbst aber ab. Sein Zitat

Der Wissenschaftler ist verantwortlich für die Erklärung seines Wissens, nicht aber dafür, wie dieses Wissen angewendet wird.
Edward Teller (1908-2003)

ist meiner Meinung nach durchaus kritisch zu betrachten: Edward Teller war ein Lobbyist und auch nach dem Abwurf der Atombomben über Japan ein starker Befürworter der Nuklearwaffen und -tests. Seinen von ethischen Zweifeln geplagten ehemaligen Kollegen und Erfinder der Atombombe J. Robert Oppenheimer demontierte er, indem er 1954 vor dem "Komitee für unamerikanische Umtriebe" und Senator McCarthy Bedenken äußerte, dass Oppenheimer für die nationale Sicherheit der USA möglicherweise ein Risiko sei.

Teller selbst dagegen arbeitete bis in die 1980er Jahre weiter eifrig an der Entwicklung und Etablierung nuklearer Waffen. Unter anderem war er an dem unter Ronald Reagan geplanten und auch als "Star Wars" bekannt gewordenen Rüstungsvorhaben "Strategic Defense Initiative" (SDI) beteiligt. Teller war also durchaus dafür verantwortlich, wie sein Wissen angewendet wurde.

In der heutigen Forschungslandschaft gibt es beispielsweise mit der Gentechnologie ein ähnlich kontrovers betrachtetes Forschungsgebiet. Befürworter und Gegner liefern sich seit Jahren lebhafte Diskussionen über das Für und Wider und darüber, ob alles Menschenmögliche auch untersucht und umgesetzt werden soll. Wir wissen nicht, was alles bereits fertig in den Schubladen der Wissenschaftler liegt, das unsere Zukunft nachhaltig verändern kann. - Ob zum Positiven oder Negativen, weiß man ja oft erst im Nachhinein. Manchmal auch erst, wenn es bereits zu spät ist.

Sicherlich ist Karl Waldemar Ziegler als Erfinder des Polyethylens nicht für den weltweiten Plastikmüll verantwortlich zu machen, aber auch heute noch gibt es "Edward Tellers" unter den Wissenschaftlern, die Gewinn und Lobbyarbeit (vielleicht auch einfach nur wissenschaftliche Neugier) über ethische Bedenken stellen. Deshalb sollten sich Wissenschaftler durchaus ihrer Verantwortung bewusst sein. Nicht nur für die Erklärung ihres Wissens, sondern - mehr noch - für dessen Anwendung!

» Mehr über Edward Teller

» Artikel zum Oppenheimer-Ausschuss

Autor: Anke Fähnrich


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Anonym02.06.2017 um 11:03:54

Teller war sowohl Wissenschaftler als auch politischer Mensch aber eben kein Lobbyist: er hat sich aus einer Überzeugung heraus für die Entwicklung der Wasserstoffbombe eingesetzt, so wie Oppenheimer sich dagegen ausgesprochen hat. Teller hat später die Entwicklung der H Bombe geleitet, wie Oppenheimer zuvor die der A Bombe; das wiederum war bei beiden Ingenieurs- und Managementarbeit.

Teller war ein zweitklassiger Physiker und erstklassiger Manager wie Openheimer auch. Viele erstklassige Physiker (Feynman, Bethe) haben bei ihm die Mitarbeit verweigert. Was ihm von vielen vorgeworfen wurde, war sein politisches Vorgehen gegen Oppenheimer. Die von dem politischen Menschen Teller mitbegründete Philosophie der atomaren Abschreckung hat im kalten Krieg funktioniert, bislang wurde keine H Bombe eingesetzt, im Unterschied zu sagen wir Morgensternen...

Was also genau hat Teller moralisch bei der Entwicklung der H Bombe falsch gemacht? Bislang geht sein Konzept auf, ob es auch aufgegangen wäre hätte nur die UdSSR über die H Bombe verfügt wissen wir nicht!


Anke Fähnrich07.06.2017 um 12:05:50

Sehr geehrte/r Anonym,

vielen Dank für Ihre Anmerkung zum Blogbeitrag. Allerdings geht es mir nicht darum, ob die Entwicklung der H-Bombe moralisch richtig oder falsch ist, sondern um den Bezug zu Tellers Zitat. (s.o.): Ich denke nicht, dass man sich der Verantwortung für die Anwendung (s)einer wissenschaftlichen Forschung entziehen kann bzw. darf. Insbesondere, wenn diese so eindeutig in eine absehbare Richtung - in diesem Fall der Entwicklung einer Massenvernichtungswaffe - geht.



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