10.02.2017

Wer hat's erfunden? Über kreative Abkürzungen usw.


Naturwissenschaftler neigen ja bekanntlich dazu, alles was möglich ist abzukürzen. Nicht nur die Symbole der chemischen Elemente im Periodensystem (PSE) oder Abkürzungen für diverse Analysetechniken wie HPLC, FT-IR, SPME, PCR etc. werden standardmäßig verwendet. Für Nichteingeweihte sind das meist Hieroglyphen, die sie gleich wieder vergessen.

Viele Abkürzungen sind uns mittlerweile so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden. Wahrscheinlich können nur noch die Chemiker unter uns die BASF der "Badischen Anilin- & Soda-Fabrik" zuordnen. Dass die Programmiersprache BASIC ursprünglich mal als "Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code" ("symbolischen Allzweck-Programmiersprache für Anfänger") erfunden wurde, war nicht nur mir, sondern sogar unseren Programmierern gänzlich neu.

Allerdings stoße ich bei der Nachrichtenrecherche immer wieder auf - im Wortsinn - merkwürdige Abkürzungen. Besonders die Physiker scheinen dahingehend eine besondere Gabe zu besitzen - oder sie haben vielleicht einfach eine besondere Beziehung zu Ihren Teilchenbeschleunigern, die zum Beispiel DESY, BESSY, DORIS oder PETRA heißen? Sind HERA oder AMANDA versteckte Hinweise darauf, dass einfach zu wenige Frauen in diese Berufsrichtung tendieren? Oder darauf, dass Frauen sehr schnell "auf 180" sind? Oder sitzen die Namensgeber abends nach Feierabend zusammen und lachen sich gemeinsam über diverse Abkürzungen kaputt, bis sie sich auf eine einigen können, die gut klingt und im Gedächtnis bleibt? - den Physikern, die ich kenne, wäre das durchaus zuzutrauen...

Andere Abkürzungen dagegen erwecken den Eindruck, dass sie vor dem Projektnamen entstanden sind. Zumindest entlockte mir der sperrige Name "regelbasierte Analyse potentiell destruktiver Täter zur Einschätzung des akuten Risikos - islamistischer Terrorismus" kurz: RADAR-iTE ein lautes Schmunzeln. Stellt sich hier nicht automatisch die Huhn/Ei-Frage?

Ab und zu kommt auch die Überlegung auf, ob die Redensart "nomen est omen" bei der Projektbezeichnung Pate stand. So zum Beispiel bei der europäischen Initiative COST ("Cooperation in Science and Technology").

Sperrige Projektnamen mit einem eingängigen Namen abzukürzen ist natürlich sinnvoll. Bleibt nur zu hoffen, dass im Zeitalter von 140-Zeichen-Nachrichten unsere Sprache nicht iwie so reduziert wird, dass viell asap no1 mehr deren Inhalt versteht. Noch Fragen? PTB!

Autor: Anke Fähnrich


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