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Labor Blog

28.09.2016

Forschung, die die Welt nicht braucht? - 26. Verleihung des Ig-Nobelpreises


Des Öfteren frage ich mich bei der Recherche nach Nachrichten und Fachartikeln zu neuen Analysemethoden oder wissenschaftlichen Erkenntnissen, welchen Mehrwert die Wissenschaft oder gar unsere Gesellschaft von diesen Forschungen hat. Die Reaktionen unserer Redaktion liegen meist irgendwo zwischen ungläubigem Kopfschütteln und lautem Gelächter. Nicht selten stellt sich uns die Frage, wer um Himmels Willen die Gelder für solche Projekte bereitstellt und was sich der Geldgeber dabei denkt.

Erfreulich, dass sich sogar echte Nobelpreisträger mit ausgefallenen Forschungen befassen und als Überbringer für den Ignoble(unwürdig)-Nobelpreis zur Verfügung stehen, mit dem besonders ausgefallene Forschungsideen und Publikationen hervorgehoben werden und der in diesem Jahr bereits zum 26. Mal in den Räumen der Harvard University vergeben wurde. Die Zeremonie der Verleihung des Preises ist Medienberichten zufolge eine durchaus amüsante Veranstaltung, der die Gewinner - meistens - gerne beiwohnen, um die Auszeichnung entgegen zu nehmen.

Auch deutsche Forscher ausgezeichnet

In diesem Jahr erhalten in gleich drei Kategorien deutsche Forscher die fragwürdige Auszeichnung: Volkswagen erhielt in Abwesenheit den Ig-Nobelpreis Preis für Chemie für "die Lösung des Problems überhöhten Schadstoffausstoßes von Autos durch automatische, elektromechanische Erzeugung von geringeren Emissionen, wenn die Fahrzeuge getestet werden."

Den Preis in der medizinischen Forschung erhielt eine Gruppe Forschender der Universität Lübeck für "die Entdeckung, dass einem Juckreiz auf der linken Seite des Körpers durch Betrachtung in einem Spiegel und Kratzen der rechten Seite des Körpers abgeholfen werden kann (und andersherum).", veröffentlicht in Plos One (1).

Eine internationale Forschergruppe der Psychologie mit deutscher Beteiligung erhielt die Auszeichnung für "die Befragung von 1000 Lügnern nach der Häufigkeit ihres Lügens und die Entscheidung darüber, ihren Antworten zu glauben", veröffentlicht in der Zeitschrift Acta Psychologica (2).

Die Idee, die die den Preis auslobende Zeitschrift "Annals of Improbable Research" verfolgt, ist dagegen gar nicht so lächerlich, wie die Themen der Preisträger vermuten lassen: Getreu dem Motto "Research that makes people LAUGH and then THINK" wird alle zwei Monate - verpackt in Satire - auch mindestens ein ernstzunehmendes Forschungsprojekt zu einem scheinbar absurden Thema vorgestellt. Schließlich wurden nicht selten so genannte Quer- und Andersdenker letztendlich und oft posthum als großartige Wissenschaftler gewürdigt. - Vielleicht wissen wir heute einfach noch nicht, wozu es wichtig ist, die Persönlichkeit von Steinen marketing-strategisch zu betrachten.

—> Weitere Informationen und Preisträger

—> Original Publikation 1

—> Original Publikation 2

Autor: Anke Fähnrich


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