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16.02.2016

Konzentration von Glyphosatrückständen in Muttermilch erneut unterhalb der Nachweisgrenze


Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beauftragte für seine Studie zwei unabhängige, akkreditierte Labore, die über langjährige Erfahrungen in der Anwendung der derzeit sensitivsten analytischen Nachweismethoden für Pflanzenschutzmittelrückstände verfügen. Um gegebenenfalls positive Resultate sicher abklären zu können, wurden zwei auf unterschiedlichen Messprinzipien basierende chemische Analyseverfahren für die Bestimmung von Rückständen von Glyphosat in Muttermilch entwickelt und validiert.

Die zwei Analyseverfahren beruhen auf Flüssigchromatographie-Tandemmassenspektrometrie (LC-MS/MS) bzw. Gaschromatographie-Tandemmassenspektrometrie (GC-MS/MS). Beide Verfahren wurden neu entwickelt und können Glyphosatrückstände in Muttermilch ab 1 Nanogramm (ng) pro Milliliter (ml) genau bestimmen (Bestimmungsgrenze). - Gehalte unterhalb der Bestimmungsgrenze von 1 ng pro ml wären so niedrig, dass die hieraus rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei ausschließlich gestillten Säuglingen mehr als 1000-fach niedriger liegen würde als die derzeit als unbedenklich geltende lebenslänglich duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI). Damit sind diese Analyseverfahren mehr als zehnmal empfindlicher als die üblicherweise zur Analyse von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln angewandten Verfahren und 75-mal empfindlicher als die ELISA-Methode (laut Angaben des Herstellers). Trotzdem wurde letztere im Juni 2015 bei der Analyse der 16 Muttermilchproben angewandt und die resultierenden Ergebnisse in einigen Medien als "besorgniserregend" bezeichnet.

Es wurden in keiner der 114 im Auftrag des BfR untersuchten Muttermilchproben Rückstände des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat oberhalb der Nachweisgrenze von 1 ng pro ml gemessen. Aufgrund dieser Ergebnisse sieht sich das BfR in seiner aus den physikalisch-chemischen Eigenschaften von Glyphosat und aus Daten zur Toxikokinetik und dem Metabolismus an Versuchs- und Nutztieren gewonnenen Auffassung bestätigt, dass kein relevanter Übergang dieses Wirkstoffes in die Muttermilch stattfindet. Dies hat auch Eingang in die EFSA-Schlussfolgerungen gefunden, die nun wissenschaftliche Grundlage des erneuten Genehmigungsverfahrens für Glyphosat auf europäischer Ebene sind. Die Ergebnisse der Studie wurden in einer wissenschaftlichen Publikation zusammengefasst.

Für seine Untersuchungen hat das BfR auf Muttermilchproben zurückgegriffen, die vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt sowie vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gesammelt wurden. Die teilnehmenden Mütter wurden nicht nach einem Stichprobenverfahren ausgewählt, sondern haben aus eigenem Antrieb teilgenommen. Daher bilden die Teilnehmerinnen keine repräsentative Stichprobe der Gesamtheit aller stillenden Mütter in Deutschland.

Für die Untersuchung der 16 Muttermilchproben im Juni 2015, hatte das damalige Prüflabor als Nachweisverfahren den oben genannten weniger empfindlichen ELISA-Test verwendet. Einzelheiten zur Durchführung dieses Tests sind nicht veröffentlicht worden. Die Glyphosat-Konzentrationen in den Proben sollen zwischen 0,21 und 0,43 ng pro ml gelegen haben und damit um etwa den Faktor 200 niedriger als vom Hersteller des ELISA-Tests noch als zuverlässige Bestimmungsgrenze angegeben (75 ng pro ml). Zudem wurden die angeblichen Befunde in Muttermilch nicht durch ein unabhängiges Analyseverfahren bestätigt. Die resultierenden Ergebnisse wurden in einigen Medien als "besorgniserregend" bezeichnet.

Das BfR äußerte wissenschaftliche Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser Ergebnisse und gab eine eigene Studie in Auftrag, um nachvollziehbare und abgesicherte Ergebnisse zu erzielen. Die Studie hat bestätigt, dass in Muttermilch keine Rückstände des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat nachweisbar sind. "Das Ergebnis zeigt, wie wichtig seriös durchgeführte wissenschaftliche Studien sind, um in der emotional geführten Debatte um Pflanzenschutzmittelrückstände Verbraucher nicht unnötig zu verunsichern", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Wichtiger Grund für die Studie war, dass besorgte Mütter beim BfR angefragt hatten, um sich über das angebliche Risiko durch Glyphosatrückstände in Muttermilch zu informieren. Das BfR und die Nationale Stillkommission weisen darauf hin, dass sie die gemessenen Gehalte als gesundheitlich unbedenklich einschätzen und dass Muttermilch nach wie vor die natürliche und damit beste Nahrung für Säuglinge ist. Die Ergebnisse der BfR-Studie bestätigen, dass Mütter sich nicht verunsichern lassen und wie bisher stillen sollten.

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Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)




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