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22.01.2016

Forschungsprojekt zur vereinfachten gesundheitlichen Bewertung von industriell genutzten Nanomaterialien gestartet


Bislang wird mit hohem Aufwand jedes Nanomaterial einer eigenen experimentellen Prüfung unterzogen. In dem NanoToxClass-Projekt sollen deswegen Gruppierungsansätze für Nanomaterialien anhand ihres Gefährdungspotenzials für den Menschen entwickelt werden. Insbesondere werden dabei industriell relevante Nanomaterialien berücksichtigt. "Die Ergebnisse des Projektes sind von großem Interesse für die regulatorische Praxis, da sich der Aufwand für die gesundheitliche Bewertung so reduzieren lässt", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Ein wichtiger Schwerpunkt des NanoToxClass-Projektes ist die zielgerichtete Generierung neuer Daten zu Wirkmechanismen von Nanomaterialien mittels moderner Techniken der Systembiologie, welche in Kombination mit etablierten toxikologischen Endpunkten eingesetzt werden. Im Projekt werden dazu Transkriptom-, Metabolom- und Proteomanalysen integriert, die sich auf Daten aus in vitro- und in vivo-Versuchen stützen. So ermöglicht der hier gewählte Ansatz, dass auch Wirkmechanismen von Nanomaterialien bei der Entwicklung von Gefährdungskategorien berücksichtigt werden können. Zudem ermöglicht der Ansatz durch die Korrelation von in vitro- und in vivo-Daten die Entwicklung neuer Teststrategien und die zielgerichtete Weiterentwicklung von bestehenden in vitro-Tests.

Die Entwicklung von Gruppierungsansätzen für Nanomaterialien anhand ihres Gefährdungspotenzials für den Menschen ist auf europäischer und internationaler Ebene von hohem Interesse und steht bereits seit geraumer Zeit im Fokus der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Erkenntnisse aus NanoTox-Class werden daher von Beginn an in verschiedene nationale und internationale Gremien eingebracht, um deren regulatorische Anwendbarkeit in der Praxis zu überprüfen.

Bereits heute findet sich eine Vielzahl mittels Nanotechnologie hergestellter Produkte am Markt. Die aktuell eingesetzten Nanomaterialien bestehen dabei aus einer überschaubaren Anzahl von Ausgangsstoffen. Durch Kombinationen verschiedener Ausgangsstoffe sowie Variationen in Größe, Form und Oberfläche ergibt sich dennoch eine nahezu unbegrenzte Materialvielfalt. Trotz intensiver Forschung der vergangenen 20 Jahren sind immer noch keine generalisierten Schlüsse und allgemeingültigen Gefährdungsabschätzungen zu Nanomaterialien möglich. Deswegen wird immer noch jede Variante eines Nanomaterials einer eigenen experimentellen Prüfung und gesundheitlichen Bewertung unterzogen. Im Gegensatz dazu sind für konventionelle Chemikalien Gruppierungsansätze von der Testung bis zur Modellierung vorhanden und werden auch zu regulatorischen Zwecken genutzt. Für Nanomaterialien sind diese bis auf wenige Ausnahmen noch nicht bekannt. Das NanoToxClass-Projekt im Rahmen des ERA-NET SIINN ist damit ein Vorreiter bei der Entwicklung von Gruppierungen für Nanomaterialien.

Das internationale Forschungsprojekt NanoToxClass Projekt wird für drei Jahre unter dem EU-Förderschwerpunkt ERA-NET SIINN mit Mitteln aus Deutschland, Belgien, Israel, Portugal und Rumänien gefördert und hat ein Gesamtvolumen von knapp 1,6 Millionen Euro.

ERA-NET SIINN steht für European Research Area Network - Safe Implementation of Innovative Nanoscience and Nanotechnology. Mit dem EU-Programm wird der sichere und schnelle Transfer von europäischen Forschungsergebnissen der Nanowissenschaften und Nanotechnologien in die praktische Anwendung gefördert.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)




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