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01.03.2016

Neues Analysetool zur Ermittlung von Prozessfehlern in komplexen Anlagen


Viele Fertigungssysteme umfassen heute mehrere Stationen und arbeiten so schnell, dass Fehlerursachen und deren Auswirkungen mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar sind. OEE Workshops und Wertstromanalysen, bei denen ein Expertenteam die Prozessqualität untersucht, sind hier nur noch bedingt anwendbar. "Der manuelle Analyseaufwand bei vollautomatisierten Systemen ist meistens zu hoch", weiß Felix Müller, Wissenschaftler am Fraunhofer IPA.

Auch integrierte Optimierungswerkzeuge scheiden aus, da die Qualität der Daten über alle Prozesse hinweg unzureichend sei. "Meist enthalten Prozessketten neben neuen auch ältere Maschinen von unterschiedlichen Herstellern. Diese verfügen über keine Standardschnittstelle, um sie an ein IT-System anzubinden. Eine automatisierte Datenerhebung ist deshalb nicht möglich", kritisiert Müller. Aussagen über die Gesamtproduktivität und die Möglichkeiten, sie zu steigern, lassen sich folglich nur bedingt treffen.

Intelligente Kameras zur echtzeitnahen Datenerhebung

Bei der "Smarten Systemoptimierung" erfolgen Datenerfassung und -auswertung vollständig automatisiert. Zu Beginn wird die gesamte Produktionslinie mit intelligenten Kameras ausgestattet, wobei pro Station zirka eine Kamera anfällt. Anschließend bildet der Mitarbeiter die einzelnen Prozesse über die am IPA programmierte "Teach-App" auf einem Tablet ab. "Für jede Anlage legt der Verantwortliche die einzelnen Prozessmerkmale, z. B. das Zusammenspiel von Roboter, Werkzeug und Werkstück im Videostream graphisch fest. Die Kamera weiß nun genau, welche Arbeitsschritte sie aufzeichnen und echtzeitnah auswerten muss", erläutert Müller. Sobald die Produktion läuft, werden die relevanten Prozessdaten dezentral auf den Kameras ausgewertet und Abweichungen an ein Analysetool übermittelt. Dieses kann die Informationen auswerten, anlagenübergreifend analysieren und in der gewünschten Form aufbereiten.

System erkennt Fehlerursachen und analysiert Verkettung

Ein weiterer Vorteil: Die Anwendung analysiert nicht nur die Fehler einzelner Prozesse, sondern gibt auch Auskunft über deren Fortpflanzung im Fertigungssystem. Weil jede Maschine aufgezeichnet wird, kann über die gesamte Prozesskette hinweg eine Datenbasis erzeugt werden. Das Analysetool arbeitet daraufhin heraus, wie die Fehler zusammenhängen. "Im Gegensatz zur klassischen OEE erhält der Anwender sofort eine Ursachenzuordnung. Er sieht z. B., welcher Prozess den anderen blockiert und erkennt, wo der Auslöser sitzt", erläutert Müller. Weiterhin sei es möglich, die Fehlerquellen zu priorisieren. So zeige das System automatisch an, welcher Missstand innerhalb der Produktion die meisten Verluste hervorruft bzw. aktuell einen Engpass erzeugt.

Effizienz um mehr als zehn Prozent gesteigert

Die Experten bieten ihre Innovation in Form einer Dienstleistung an. Nachdem die Kameras in der Produktion des Industriepartners installiert sind, beginnt das Team mit der Analyse und legt mit dem Unternehmen Optimierungsmaßnahmen fest. Die aktuelle Version des Werkzeugs haben die Wissenschaftler schon erfolgreich in der Praxis eingesetzt. "Bei Unternehmen in der Automobil- und der Konsumgüterindustrie konnten wir eine Effizienzsteigerung von über zehn Prozent erzielen", freut sich Müller. Auch in puncto Schnelligkeit und Flexibilität überzeugt das Tool: Die Wissenschaftler benötigen nur einen Vormittag, um ein einfaches Fertigungssystem mit Kameras auszustatten und diese einzulernen. "Anschließend können wir sofort mit der Analyse loslegen und die wichtigsten Fehlerquellen ausmerzen", hebt Müller hervor.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA)




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