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01.03.2016

"Read-across"-Verfahren kann bei der Reduzierung von Tierversuchen helfen


Tierversuche zur Chemikalientestung können vermieden werden, wenn Forscher bereits von der chemischen Struktur eines Wirkstoffs auf dessen Eigenschaften und potenzielle Schädlichkeit schließen können. Rückschlüsse zu den Eigenschaften einer unbekannten Chemikalie durch den Vergleich mit einem bekannten, strukturell ähnlichen Wirkstoff sind in der Forschung als "Read-across"-Verfahren bekannt. Das "Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa" (CAAT-Europe) mit Sitz an der Universität Konstanz gibt "Read-across"-Verfahren nun eine Diskussionsplattform: Am 26. Februar 2016 versammelte CAAT-Europe rund 110 internationale Experten der Toxikologie in Brüssel zur Konferenz "Good Read-Across Practices" (GRAP).

"Read-across" (Englisch für "querlesen") geht von der Annahme aus, dass gleichartige Chemikalien eine gleichartige Toxizität aufweisen. Informationslücken zu neuen Chemikalien können somit durch eine Analogie zu strukturell ähnlichen Stoffen geschlossen werden. Im Kontext der Chemikalienverordnung REACH der Europäischen Union, die eine breitflächige Klassifizierung und Registrierung von Chemikalien initiierte, entwickelten sich "Read-across"-Verfahren zu einer effizienten Methode, um Tierversuche zu reduzieren und Kosten einzusparen. "Um eine einzige Chemikalie zu testen werden im Regelfall über 1.000 Tiere benötigt", kritisiert Prof. Dr. Marcel Leist, Professor für Alternative in vitro-Methoden an der Universität Konstanz und Leiter von CAAT-Europe. Allein im Bereich der Reproduktionstoxizität wären durch die europaweiten Bestimmungen von REACH rund 21,7 Millionen Tierversuche zu erwarten. "Read-across"-Verfahren könnten diese Zahl signifikant reduzieren.

"Die Konferenz 'Good Read-Across Practices' thematisiert Qualitätsstandards für 'Read-Across'-Verfahren", schildert Prof. Dr. Thomas Hartung (Johns-Hopkins University, Baltimore), einer der Initiatoren der Veranstaltung. Die Konferenz schloss mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion, an der unter anderem Dr. Norbert Fedtke als Vertreter der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) sowie Jarlath Hynes von der Tierschutzorganisation Humane Society International (HSI) teilnahmen.

"Good Read-Across Practices" wurde gemeinsam von CAAT-Europe und dem Forschungsverbund der chemischen Industrie (Cefic-LRI) veranstaltet. Die Konferenz fand im Rahmen des Großprojekts EU-ToxRisk statt, das von der Europäischen Kommission im Forschungsprogramm "Horizont 2020" mit insgesamt rund 30 Millionen Euro gefördert wird. EU-ToxRisk schuf einen Forschungsverbund von insgesamt 39 Partnereinrichtungen aus Wissenschaft, Industrie und europäischen Regulierungsbehörden, um neue Grundlagen zur tierversuchsfreien und effizienteren Sicherheitsbewertung von Chemikalien zu schaffen.

Quelle: Universität Konstanz




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