21.06.2005
Umweltanalytik in Äthiopien: Eine Herausforderung von der Probennahme bis zur Bestimmung
In Ländern der dritten Welt gibt es aus Kostengründen zumeist keine staatlich geförderten Programme zur Überwachung der Belastung der Umwelt mit Chemikalien. Es fehlen geeignet ausgestattete Labors und qualifiziertes Personal. Daher gibt es in vielen sehr armen Ländern sehr wenig Informationen zum Thema Umweltbelastung. Dies ist auch in Äthiopien, einem der ärmsten Länder Afrikas, der Fall. Ausserdem fehlt es an Gesetzen, die den Umgang mit Chemikalien regeln, oder zumindest an der Überwachung ihrer Einhaltung. Gleichzeitig sind Umweltressourcen, wie Boden und Wasser, von hoher Wichtigkeit für die einheimische Bevölkerung, da sie nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen, und große Teile der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben. Deshalb ist ihre Bewahrung von besonders hoher Bedeutung.
Untersuchungsgebiet in unserem Projekt ist der größte Binnensee im Süden Äthiopiens, der Lake Abaya. Er stellt eine Umweltressource von sehr hoher Wichtigkeit für die einheimische Bevölkerung dar, die dem See und seinen Zuflüssen Trinkwasser entnimmt. Auch als Nahrungsquelle (Fischfang) ist er von großer Bedeutung. Der See ist ca. 80 km lang, im Durchschnitt ca. 20 km breit und maximal ca. 28 m tief.
Um Informationen über die Belastung der Umwelt im Untersuchungsgebiet zu erhalten haben wir im Rahmen eines DFG-Projekte erstmals Sedimentbohrkerne aus dem Lake Abaya und Bodenproben aus seiner Umgebung genommen und untersuchen diese auf Insektizide und Schwermetalle.
Das Insektizid Dichlor-diphenyl-trichlorethan (DDT) spielt in diesem Projekt eine besondere Rolle, da seine Verwendung in großen Mengen im Untersuchungsgebiet beobachtet wurde. DDT ist sehr langlebig (persistent), und wandelt sich in der Umwelt innerhalb von Jahren bis Jahrzehnten im wesentlichen in seine Hauptmetaboliten DDD und DDE um. Die Metaboliten sind ebenfalls sehr persistent. Die DDT-Verbindungen sollen ein ökotoxikologisches Potential besitzen. DDT zum Beispiel behindert die Reproduktion der Seeadler, da es zur Bildung dünnerer, zerbrechlicherer Eierschalen führt. Inzwischen gibt es ein weltweites Verbot von DDT.
Quelle: Aktuelle Wochenschau
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