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Thema: Re: UPLC

Autor(in): Andreas Neumaier am 16. Februar 2009 um 12:06:45

Antwort auf: UPLC eingetragen von Wegner Irene am 27. Januar 2009 um 14:12:12

Hallo,

ich arbeite seit 2004 mit UPLC-Anlagen (aber nicht ausschließlich) und habe mich ziemlich intensiv mit den Vor- und Nachteilen dieser Technik auseinander gesetzt.

Die Antworten - auf den Punkt gebracht - lauten chronologisch: Nein und Ja

Im Folgenden werde ich nicht nur Ihre Fragen ausführlicher behandeln, sondern auch noch auf ein paar andere Punkte zum Thema U(H)PLC eingehen.

Zunächst zu den Säulen:
Sie können so ziemlich jede Säule in eine UPLC einbauen. Lassen Sie sich nichts anderes erzählen, das stimmt nicht. Und die speziellen UPLC-Säulen können Sie auch in jede HPLC einbauen. Bei der einen oder anderen Applikation macht das sogar sehr viel Sinn (im Sinne einer erfolgreichen Trennung).

Zu HPLC-Trennungen auf einer U(H)PLC-Anlage:
Sie können - nebenbei bemerkt - mit einer UPLC auch HPLC-Trennungen fahren; so wie man mit einem Ferrari auch einen Wohnwagenanhänger ziehen kann - nicht wirklich stilvoll, aber es geht.
Durch das unterschiedliche Totvolumen sind etliche Trennungen allerdings nicht unbedingt erfolgreich 1 zu 1 übertragbar, was allerdings auch schon bei einem Wechsel zwischen zwei unterschiedlichen HPLC-Anlagen passieren kann!

Zu U(H)PLC im Allgemeinen:
Die LC-Trennung mit Sub-2 µm-Partikel funktioniert grundsätzlich und liefert (je nach max. möglichem Druck) höhere Trennleistung in kürzerer Zeit. Das hängt einfach mit den physikalischen Gesetzmäßigkeiten zusammen.
Selbst mit einer "Fused core particel"-Säule in der HPLC erreicht man nicht die Leistungsfähigkeit von U(H)PLC. Das ist schon durch die Gerätetechnik nicht machbar, allerdings kann man sehr dicht an die Trennleistungen herankommen, nebenbei angemerkt...

Wer in die U(H)PLC neu einsteigt, sollte sich, wenn die Möglichkeit sich bietet, einer "freiwilligen Gehirnwäsche" bezüglich der "neuen Physik" und den dadurch entstehenden Möglichkeiten unterziehen. Als ich das erste Mal mit der UPLC konfrontiert wurde, dachte ich anfangs: "nur eine HPLC mit geringerem Totvolumen". Während eines Seminars (über 3 Tage) bin ich dann doch ins Grüblen gekommen und habe, ich gestehe es offen, meine Meinung grundlegend geändert.
Quintessenz: Wenn man eine U(H)PLC-Anlage wirklich ausnutzen will, sollte man auch in U(H)PLC denken! Nicht umzudenken ist wie ein Porsche nur im ersten Gang zu fahren...

Zur UPLC von Waters:
Hand aufs Herz: Diese Anlage ist derzeit (noch) das Mass aller Dinge in der U(H)PLC. Es gibt eine Reihe von Anbietern, die auf den U(H)PLC-Markt drängen, aber da sind auch ein paar echte Flops dabei! Wenn ein Anbieter zum Beispiel die Reibung am Säulenkopf bei ca. 900 bar generell als schlecht darstellt, ist es durchaus angebracht, dessen Verständnis von U(H)PLC kritisch zu hinterfragen. Meiner Erfahrung nach entscheiden hier ein paar andere Faktoren, ob die Reibung sich als positiver oder negativer Effekt bemerkbar macht.

Waters hat das Konzept als erste Firma konsequent durchdacht und dann dazu eine passende Anlage gebaut (zugegeben, da sind nach wie vor ein paar schwache Stellen), und bis dato habe ich noch keine Anlage kennen gelernt, welche die UPLC von Waters klar übertrumpft - ich denke, das liegt daran, dass es nichts besseres am Markt gibt. Es gibt ein paar wenige Alternativen, die aber alle ihre eigenen Schwächen haben und so mancher "Vorteil" stellt sich im Nachhinein als Schwachpunkt heraus, teilweise abhängig vom Anwendungsbereich, teilweise generell.

Rentabilität:
Bei all dem Gerede über Sinn und Zweck von U(H)PLC-Anlagen, teilweise auf wenig sachlichem Niveau und ohne wissenschaftlichem Bezug ist in der Praxis wichtig, dass die neu angeschaffte Anlage im Vergleich zu mehreren(!) HPLCs auch eine geringere Ausfallquote erreicht, denn wenn ein 10x schnelleres LC-System steht, dann steht es im gleichen Zeitraum 10x länger!
Ganz einfach lässt sich das über die "Wartungskosten pro Injektion" vergleichen, die für die HPLC nach meinen Erfahrungen höher liegen.

Personal und Bedienung:
Wenn man eine U(H)PLC-Anlage betreibt, dann sollte man sich klar machen, dass normalerweise die Zusammenarbeit von mehreren Personen notwendig ist, um eine solche Anlage auch nur ansatzweise auszulasten. Selbst wenn eine solche Anlage "nur" für die Methodenentwicklung für HPLC-Trennungen (Trennung auf UPLC mit anschließendem Scale-Up auf HPLC-Bedingungen) genutzt wird, ist die Zeitersparnis enorm. Schon allein durch das intensivere, weil zeitlich fast unterbrechungsfreie, Arbeiten bei der Methodenentwicklung auf U(H)PLC-Basis entsteht ein Plus an Leistung...

Über die Marketingstrategie von Waters kann man sicherlich streiten.
Leider tummeln sich auf dem Markt ein paar Anbieter, die Aussagen tätigen, die man ohne eigene Erfahrung nicht immer richtig verstehen kann bzw. die schlichtweg falsch sind.
Interessant ist allein schon, wie sich die Aussagen eines bestimmten Konkurrenten/Anbieters zum Thema UPLC im Laufe der Zeit geändert haben. Schon allein das zeigt, dass die gestreuten Informationen zum Thema U(H)PLC noch immer nicht auf der gebotenen Sachlichkeit angekommen sind.

Ich hoffe, ich habe ein paar interessante Denkanstösse zum Thema U(H)PLC geben können.
Für weitergehende Diskussionen stehe ich gerne zur Verfügung.




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