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Thema: Was ist bei der Beschaffung von Laborsspülmaschinen zu beachten

Autor(in): Winfried Tatsch am 02. Februar 2009 um 09:39:15

Als leitender technischer Betriebsingenieur eines MPI für Mikrobiologie werde ich sehr oft als neutraler Anwender nach der besten Laborspülmaschine oder dem "Testsieger-Laborspülautomaten" gefragt. Da es unser Budget für 2008 vorsah eine neue Laborspülmaschine zu beschaffen, wurde ich mit einer Studie beauftragt, - die effizienteste Laborspülmaschine auf dem Weltmarkt zu detektieren. Deshalb suche ich hier Anwender, welche mir hier ihren Erfahrungen mit Laborspülmaschinen austauschen möchten.

Und nun zu meinen Erfahrungen: Ich begann zuerst meine Studie nach zu bewertenden Vorgaben und Kriterien einzustufen.

Punkt 1a: Zu reinigende Waschgüter
Punkt 1b: Kontamination
Punkt 2. Reinigungsergebnis / Chargenzeiten
Punkt 3: Bauseitige Medien, Infrastruktur, Platz
Punkt 4: Reinigungsleistung / mechanische Abreinigung
Punkt 5: must have / nice to have Optionen
Punkt 6: Verfügbarkeit / Servicemitarbeiter / Hotline / Marktpräsenz
Punkt 7: Ökologische Umweltverträglichkeit / Medien- und Energieverbrauch
Punkt 8: Reproduzierbarkeit des Waschergebnisses
Punkt 9: Bedienbarkeit
Punkt10: Chargendokumentation / Ausdruck / Netzanbindung
Punkt11: TOC - Messung des Final Rinse. (total organic carbon)
Punkt12: Leitwertmessung des GLP und FDA konformen Single-pass-rinse
Punkt13: Waschbox Design
Punkt14: Sicherheit / Risikoanalyse

Punkt 1a: Waschgüter: Laborglas und Produktionswaschgüter, wie Kolben 10ml - 2000ml, Infusionsflaschen 200ml - 1000ml, Pipetten, Reagenzgläser, Silikonschläuche 2mm - 12mm, Pressstempel und Matrizen aus einer Fette - Tablettenpresse, Bechergläser, Messzylinder aus Glas und Kunststoff. Probennahmegefäße für TOC-Messungen.

Punkt 1b: Verschmutzung
Die Kontamination bestand aus verschiedene Eiweiße, Blut, AGA, Nährlösungen, nicht wasserlösliche Kontaminationen wie Sonnenschutzcreme, Salben, Liquida, Feststoffe etc.

Punkt 2 Reinigungsergebnis und Zeiten: Auf Grund der Tatsache, dass ein sehr großes Waschgutaufkommen von Betreiberseite zu erwarten ist, sollte die Abreinigung, Nachspülung mit VE-Wasser inkl. Trocknung in 30min. stattfinden.

Punkt 3 Stellfläche: Die durchschnittliche Stellfläche sollte 1x1mtr. sein. Die bauseitige Raumhöhe steht mit 2,4mtr. zur Verfügung.

Punkt 4 Leistungsdaten: Wie auch bei einem Auto die Motorleistung in Abhängigkeit zur Endgeschwindigkeit steht, steht bei Spülmaschinen auch die Pumpenleistung (l/min und Waschdruck) in Abhängigkeit zum Waschergebnis. Deshalb merke: Je höher der Pumpenleistung, - desto höher die mechanische Reinigungsleistung am Waschgut.

Punkt 5 Optionen: Hier habe ich bei nahezu allen Herstellern von Laborsspülautomaten festgestellt, dass viele Unternehmen an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kunden vorbei entwickelt. Es werden z.B. Wascharmüberwachungen / Rotationsüberwachungen als die absolut "must have" Option angeboten. Tatsache ist dieses, - dass man auf diese Option getrost verzichtet werden kann, da dieses keinen Einfluss auf die Abreinigung von Waschgütern besitzt. Viel besser und effizienter ist ein Pumpendruckschalter der den Unteren und Oberen Bereich des Systemdruck ständig überwacht. Damit kann absolut sichergestellt werden, dass eine Wascharmrotation stattfindet, - bzw stattgefunden hat. Des weiteren werden Radien in der Waschbox als absolute Neuerung angepriesen, - jedoch dieses bei meinen mehrfachen Testreihen zu keinem Unterschied in der Reinigungsleistung oder Wiederholungsphasen bei einer LW-Messung des "Final Rinse" geführt hat. Diese Option "Radien in den Waschboxen" sind nach meinen Testreihen unnötig und verteuern nur das Produkt.

Punkt 6 Verfügbarkeit von Servicetechniker: Hier war deutlich zu erkennen, dass es eigentlich nur zwei Hersteller in Deutschland gibt, welche über ein dichtes Servicenetz verfügen. Miele signalisiert ausreichend mit ausreichend Servicepartner zusammen zu arbeiten, der Hersteller BELIMED sagt sogar eine Serviceverfügbarkeit von über 50 Servicetechniker an 356 Tagen innerhalb 24 Stunden ohne Mehrpreise und ohne Service- oder Wartungsvertrag zu. Das hat mir sehr gut gefallen.

Punkt 7 Ökologie / Ökonomie: Bei diesem Punkt habe ich herausgearbeitet welche Medien- Energieverbräuche, Verwendung von stark umweltbelastenden Zusatz- oder Hilfsstoffe eingesetzt werden müssen und sinnvolle Reduktionsmaßnamen. Ein Hersteller ist mir im besonderen negativ aufgefallen, welcher mit einer Funktion mit dem Namen oxivario Wasserstoffperoxyd dem Spülgang beisetzt und damit die eher schwache mechanischen Reinigungsleistung der Laborspülmaschine kaschiert. Diese Stoffe müssen als Gefahrenstoffe deklariert werden, gelangen so in das Abwasser und/oder sind als Gefahrstoff-Restmüll vom Betreiber zu entsorgen. Gut gefallen hat mir ein deutscher Hersteller, welcher mittels der bei der Trocknung entstehenden Abluft, - diese Energie mittels Wärmetauscher wieder zurück gewinnt, - und diese Energie wieder zum beheizen der Folgecharge verwendet. Dadurch habe ich eine Reduktion von 30% der Heizleistung messen können. Weiterhin hat sich auch hier ganz klar Bewahrheitet, dass eine starke Waschpumpe Wasser, Reinigungsmittel und Energie einspart, - da hier einfach nicht über mechanische Leistung geht.

Punkt 8 Reproduzierbarkeit, Wiederholgenauigkeit: Bei meinen Studien konnte ich ganz deutlich feststellen, dass ein gleichbleibend gutes Resultat in Abhängigkeit des Anschlusssystems des Maschinenwassersystemes mit dem Injektorwagens / Einschubwagen steht. Negativ haben solche Systeme abgeschnitten, - welche via Federmechanismus den Injektorwagen mit dem maschinenseitigen Wassersystem verbinden. Der Hintergrund ist dieser, dass "federnde Anschlusspilze" mit einer Feder aus Edelstahl ausgestattet sein müssen und aus Korrosionsgründen nicht aus Federstahl hergestellt werden können. Somit habe ich in meiner Versuchsreihe messbar nachgewiesen, dass alle "Federsysteme" nach wenigen Monaten bis zu 25% der Andruckleistung verlieren und somit der Wasserdruck an der Kupplung verloren geht. Dieses hat zur Folge, dass damit auch deutlich die Abreinigungsleistung verloren geht, je länger die Spülmaschine in Betrieb ist. Sehr gut gefallen hat mir hier ein deutscher Hersteller, welcher eine wasserhydraulisch arbeitende Andockkupplung verwendet. Diese absolut dicht schließende Anschlusskupplung wird durch den Druck der Waschpumpe betätigt und setzt nach meinen Versuchen Maßstäbe.

Punkt 9 Bedienbarkeit: Hier habe ich leidvoll festgestellt, - nicht alles was schön aussieht ist auch funktionell. Ein namhafter deutscher Laborspülmaschinenhersteller, hat nach meinem Empfinden weit über das Ziel hinaus entwickelt. Als Bedienoberfläche wurde mir ein aus der Küche ansonst nur in Kochherde verbautes Ceranfeld offenbart. Und nun frage ich ich was das wohl soll. Eine Laborspülmaschine über nicht rastende Tasten zu einzustellen und zu programmieren. Als akustische Rückmeldung, dass die Taste auch gedrückt wurde, wird dieses mit laut pipenden Signalen quittiert. (Sorry aber das ist mehr als schlecht gelungen)




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