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Nachweis und Eintrag perfluorierter Tenside (PFT) in Lebensmittel

Lechner, Mareike - Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2014)


In der vorliegenden Arbeit ging es darum, Eintragspfade von verschiedenen poly- und perfluorierten Alkyl-substanzen (PFASs) in die Lebensmittelkette zu untersuchen. Als poly- und perfluorierte Alkylsubstanzen (PFASs) werden dabei nach Buck et al. aliphatische Substanzen bezeichnet, bei denen mindestens an einem Kohlenstoffatom, an mehreren, oder an allen Kohlenstoffatomen sämtliche Wasserstoffatome durch Fluor ersetzt sind. Sind die PFASs aus einer vollständig fluorierten Kohlenstoffkette mit einer Carbonsäure-, Sulfonsäure-, Phosphorsäure- oder Alkoholgruppe am Ende, d. h. einem polaren Kopf aufgebaut, weisen sie die typischen amphiphilen Eigenschaften eines Tensids auf. Sie werden deshalb unter anderem als Adhesiva, Antistatika, als Öl und Fett abweisende Hilfsmittel für Lebensmittelverpackungen aus Papier und in Feuerlöschschäumen einge-setzt. Zudem sind sie aufgrund der fluorierten Kohlenstoffkette chemisch äußerst stabil. Die herausragende che-mische Stabilität ist der größte Vorteil der PFASs, wenn man an Einsatzgebiete wie beispielsweise von PFOS in der Galvanikindustrie denkt und zugleich ihr größter Nachteil im Hinblick auf das Verhalten in der Umwelt. Bedingt durch ihre Anwendung seit ca. 1950 und ihre chemische Stabilität kommen perfluorierte Alkylsubstan-zen mittlerweile weltweit in der Umwelt vor. Die bekanntesten Vertreter der PFASs, Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) wurden im Rahmen von Humanbiomonitoringstudien im menschlichen Blutplasma rund um den Globus nachgewiesen. PFOS ist mittlerweile von der Europäischen Kommission als "möglicherweise krebserzeugend" und "vermutlich reproduktionstoxisch" eingestuft. Deshalb und auf Grund seiner Persistenz und seiner bioakkumulativen Eigenschaften ist PFOS in der EU nur noch für einige Spezialan-wendungen zugelassen. PFOA wird ebenfalls als "möglicherweise krebserzeugend" und "vermutlich reprodukti-onstoxisch" bewertet, ist jedoch in geringerem Maße bioakkumulativ. Für beide Stoffe gilt es, einen Eintrag in die Nahrungskette zu vermeiden.

Für andere PFASs liegen keine umfassenden toxikologischen Daten oder chemikalienrechtlichen Einstufungen wie für PFOA und PFOS vor. Es gibt jedoch Studien, die zeigen, dass auch andere PFASs resorbiert werden und dass zudem hier auch, anders als bei PFOA und PFOS, eine Metabolisierung im Organismus stattfindet.

PFASs können durch industrielles Abwasser oder Abgase freigesetzt werden. Der Einsatz von PFASs-haltigem Feuerlöschschaum auf Flughäfen oder bei Großbränden sowie das Aufbringen von mit PFASs kontaminiertem Klärschlamm als "Bodenverbesserer" führten in der Vergangenheit teilweise zu schweren Kontaminationen von Gewässern und Böden. Deshalb war es ein Ziel der vorliegenden Arbeit, im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes eine Datenbasis zu schaffen, um in Fällen, in denen PFASs in die Umwelt freigesetzt und Böden kontaminiert werden, mögliche Risiken für die Bevölkerung hinsichtlich des Konsums von auf diesen Böden angebautem Gemüse ab- bzw. einschätzen zu können. Hierfür werden Daten zum Übergang der Kontaminanten in Lebensmittel benötigt. Transferfaktoren sollen dabei helfen, möglichst schnell das toxikologische Risiko für den Verzehr dieser Produkte einzustufen.


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